8
März
2009

Wunderbar

Gelesen am 8. März 2009 in Wels bei frauenstimmen erlesen


Ich bin jetzt ihr neuer Liebling. Deshalb herrscht Zoff in unserer Lade. Das kommt nicht so gut, wenn immer nur einer dran darf und die anderen lasch rumhängen. Das mögen wir gar nicht. Bei uns, da möchte jeder gerne ran. Ehrlich, ich kenne Männer, die hätten meinen Job auch gerne. Aber nichts da, den lass ich mir nicht nehmen. Nein!


Ich meine, es wird Wäscheladen geben, wo die Kollegen froh sind, wenn sie liegen bleiben dürfen. Ja, schlepp du mal den ganzen Tag Melonen! Das ist anstrengend, geht ganz schön auf die Bänder…

Die sind am Ende völlig schlapp und ausgeleiert, froh über jede Verstärkung.


Bei uns ist das anders. Da sehen selbst die Alten noch spitze aus. Unsere Abteilung ist ehrlich gesagt überbesetzt. Wir sind eine ganze Brigade und jeder hätte den Job gern für sich alleine. Wir leisten keine Schwerarbeit – ganz anders, als die Kollegen aus der DD-Liga.

Wir sind bloß Verpackung  … also meine Freunde hier auf jeden Fall!

Doch ich verfüge über besondere Qualitäten! Wer seinen Job gut macht, sorgt für Aufsehen und Bewunderung. Und darum nimmt sie jetzt immer mich.


Dabei ist unser Regiment beachtlich. Spitze, Tüll, Satin und Seide … Balconnet, Corbeille und    also … ha! – letztens, da ist was Lustiges passiert. Muss ich schnell erzählen: Unsere Lade geht auf, und wir alle ganz hoffnungsfroh … Schreck!

Furchtbar altes, runzeliges Gesicht guckt uns verdutzt an. Alle weichen wir zurück. Ganz in den hintersten Winkel.


Das Runzelgesicht klatscht in die Hände und ruft: „Komm mal her! So was hast du noch nicht gesehen!“

Zweites Gesicht taucht auf. Gemeinsam bestaunen sie uns.

„Wie viele sind das?“ Kopfschütteln.

„Also ich hab nur drei. Und das hier, das sind hm, hm … also … Guck dir den an!“  Eine Hand wühlt durch unsere Reihen und fischt mich raus. Sie spannt mich über ihre Faust – die passt grad so mit ach und krach in mein Körbchen.

„Wozu braucht sie nur so viele dieser … Nussschalen? Mehr ist das ja nicht!“ „Jetzt schau her!“ Sie inspiziert mich skeptisch. „Der ist ja … AUSGEPOLSTERT! Macht mehr rein, als wirklich drin ist. Das ist ja sonderbar“

Nö, ist es nicht. Das ist WONDERBRA!

 



 

 

8
März
2009

Wie mein Großvater ein realer Mensch wird

Gelesen am 8. März 2009 in Wels bei frauenstimmen erlesen

Den bemerkenswertesten Tod in unserer Familie ist mein Großvater gestorben. Er wurde 1911 in Österreich geboren. War Halbjude. Kommunist. Und ist in Auschwitz gewesen. Mein Opa ist nicht im Konzentrationslager gestorben. Er hatte einen Aortariss, als ich 15 war. Heute bin ich 31. Für mich ist das Gefühl zurückgeblieben, dass er sein Leben gelebt hat, bevor ich an dessen Rand getreten bin. Lange habe ich mich da nicht mehr hinein gedacht.

Ich schreibe seit sechs Jahren. Das bedeutet, ich habe meine Texte so lange nicht mehr vernichtet. Seit ich mir zugegeben habe, dass ich ohne mein Schreiben nicht werde glücklich sein können, warten die Geschichten in mir. Drängen gegeneinander. Jede will als Erste hinaus. Ich halte meine Hände über sie, damit sie mich nicht überschwemmen.

Ich arbeite an einem Roman. Die nachfolgenden Projekte habe ich in eine Reihung dirigiert. Manchmal wechseln sie die Positionen, aber die Verwirrung ist überschaubar. Da stellt sich mein Großvater dazu. Ich habe ihn nicht gesehen, weil er ganz hinten gestanden ist. Langsam hat er mit den anderen die Plätze getauscht. Er hat den Wartenden die Hand auf die Schulter gelegt. Sie haben genickt. Jetzt steht er vor mir. Er sagt nichts. Er schaut mich an.

Über meinen Großvater habe ich viele Sätze gehört. Am häufigsten den, was für ein bemerkenswertes Leben er geführt hat. Ich habe dann verwundert an ihn gedacht. Habe ihn gesehen. Wie er in seinem Sessel gesessen ist. Gelesen hat, oder geschwiegen. Wie er mit meiner Mutter, seiner Schwiegertochter, Karten gespielt hat. In der Ferienhütte am Baggerteich.

Am liebsten habe ich meinen Opa gemocht, wenn er mir Balladen vorgelesen hat. Die Glocke. Den Taucher. Den Handschuh hat er auswendig gekannt. Und fast immer stelle ich ihn mir vor, in seinem Wohnzimmer, den Blick in die Ferne gerichtet, einen weißen Handschuh vor sich haltend, rezitierend, während ich ein kleines Mädchen bin. Auf dem Boden sitze, zu ihm hinauf schaue, nicht begreife, worum es wirklich geht. Nur, dass ich es mag.

Über meinen Opa weiß ich, dass er im spanischen Bürgerkrieg gekämpft hat. Dass er in Frankreich untergetaucht ist. War er auch in Russland? Sein Vater hat Jakob geheißen. Wie mein Mann. Bevor wir geheiratet haben, haben wir überlegt, welchen Namen wir tragen wollen.

„Mir ist es egal“, habe ich gesagt und mein Mann hat geantwortet, dass er seinen Namen eigentlich nicht so gern möge, er wünsche sich nur, dass wir den Gleichen hätten.

„Gut, das ist mir auch wichtig“, habe ich geantwortet, „heißen wir Meisel.“

Dann habe ich ihm einige Gründe genannt, warum ich das sehr gut fände. Eigentlich. Und als Letzten: „ Mein Opa hat sich immer einen Enkelsohn gewünscht, damit sein Name erhalten bleibt. Der würde sich freuen!“

Dass mein Opa einen Enkelsohn wollte, weiß ich aus folgender Geschichte:

Meine jüngere Schwester Alexandra kam zur Welt. Meine Eltern haben ein Telegramm an meine Großeltern verschickt. Drinnen stand: Alexander ist da! Mein Opa war außer sich vor Freude.

Diesen Wunsch meines Großvaters habe ich nie vergessen. Er hat mich verletzt. Und verwirrt. Zu mir war mein Opa niemals patriarchisch. In meiner Anwesenheit hat er sich weder meiner Großmutter, noch einer anderen Frau in der Familie gegenüber so verhalten. Ich habe gedacht: „Naja, das war halt die Zeit!“

Vor kurzem habe ich mir überlegt, was jemandem, der von Ausschwitz geflohen ist, sein Name bedeuten mag.

Mein Opa ist nach seiner Pensionierung in Schulen gegangen. Er hat Vorträge über den Nationalsozialismus gehalten. Mir hat er nichts erzählt. „Du hättest fragen müssen“, hat mir jemand gesagt. Warum habe ich das nicht getan! Sogar Memoiren hat mein Großvater hinterlassen. Aufgeschrieben von einem Journalisten. Ich habe zweimal versucht sie zu lesen. Ich habe abgebrochen, weil ich mit dem Schreibstil nicht zu Recht gekommen bin. Warum habe ich das gemacht?

Ich habe den Schriftsteller Robert Schindel getroffen. Er hat meinen Opa gekannt. Er hat mir Telefonnummern gegeben. Von einer Freundin meines Großvaters, die noch lebt und von der Leiterin des Archivs des jüdischen Museums. Ich habe sofort meine Mutter angerufen und dann meinen Vater.

„Ja,“ hat meine Mutter gesagt, „ Im Archiv des jüdischen Museums hat er mitgearbeitet. Eine Zeit lang war er jeden Tag dort.“

„Ja,“ hat mein Vater gesagt, „Das war eine Freundin vom Opa. Ihr Sohn war früher mein bester Freund. Ich geb dir seine Nummer. Ruf ihn an, dass er mit dir gemeinsam zu seiner Mutter geht. Sie ist schon über achtzig.“

Ich denke: „Alles war immer da!“ Ich verstehe mich nicht. Du musst dich nicht schuldig fühlen, sagen meine Freunde. Ich fühle mich schuldig.

Ich rufe die Freundin meines Großvaters an. Ich will nicht mit dem Sohn sprechen. Später vielleicht. Mein Herz klopft. Sie hebt ab. Ihre Stimme klingt nicht wie die einer alten Frau. Ich erkläre, wer ich bin, wer mir ihre Nummer gegeben hat, was ich möchte.

Sie sagt: „Melden sie sich, wenn sie in Wien sind. Ich wohne noch in der gleichen Straße.  Um die Ecke von dort, wo ihre Großeltern gelebt haben. Dienstags und Mittwochs habe ich keine Zeit. Da besuche ich Kurse. Donnerstags geht es auch nie.“

Ich bin erstaunt.

„Google deinen Großvater doch mal“, hat mir Robert Schindel geraten. Ich tippe den Namen meines Opas in die Tastatur meines Laptops. JOSEF MEISEL. Eine Seite des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands erscheint. Es gibt einen Auszug aus dem Tagesbericht der Gestapo Wien von 1943. Darin wird er als Volljude bezeichnet…

War er das? Ich habe geglaubt, dass nur sein Vater Jude war. Oder ist das ein Ausdruck der Nationalsozialisten?

Ich sehe mir die Fotos an. Ich kenne sie aus den Memoiren meines Großvaters. Ich klicke darauf. Erhalte die Vollansicht. Die Bilder hat die Gestapo bei seiner Verhaftung geschossen. Er sieht darauf aus, als wolle er seinem Gegenüber ins Gesicht spucken. Ich bin stolz.

Erich Hackl hat einer Erzählung über meinen Urgroßvater Jakob Meisel und seine Söhne geschrieben. Sie ist erschienen, als meine Oma noch gelebt hat, mein Opa schon tot war. Ich habe meine Großmutter danach gefragt. Sie hat das Gesicht verzogen und behauptet, dass darinnen nicht alles der Wahrheit entspräche. Was, hat sie mir nicht sagen wollen.

Ich habe die Erzählung zweimal gelesen. Ich lese sie ein drittes Mal. In einem Absatz schreibt Hackl, wie mein Großvater 1968 nach der Niederwalzung des „Prager Frühlings“ aus der kommunistischen Partei ausgeschlossen wurde, als er nicht mehr bereit war, die „Normalisierung“ hinzunehmen.

Das habe ich gewusst. Darauf bin ich immer besonders stolz gewesen. Dass er bereit war, seine Partei, für deren Überzeugungen er in einem fremden Land gekämpft hat, für seine Zugehörigkeit zu ihr er in seiner Heimat beinahe getötet worden wäre, aufzugeben. In Erich Hakels Erzählung steht aber gleich nach dem Satz über den Ausschluss: Er betrachtete sich weiterhin als Kommunist.

Ich lege das Buch aus den Händen. Ist das wahr? Mein Großvater wird immer interessanter für mich und ich begreife, dass ich erst am äußersten Anfang meiner Spurensuche bin.

 

 

8
März
2009

Die Flut

oder   Das Leben ist ein Schiffbruch, rette sich wer kann!

Gelesen am 8. März 2009 in Wels bei frauenstimmen erlesen

Ich war noch sehr jung, als sie mich das erste Mal erreichte, diese Flut, die mich nie mehr ganz verließ und die über mein Leben bestimmt, sobald sie über mich hereingebrochen ist.  Bis zum heutigen Tage ist sie mein Trabant, der sich nicht abschütteln lässt.  Ich konnte mir anfangs diesen Gefühlszustand nicht erklären, dieses ständige Auftauchen aus riesigen Wellen, die über mich hinwegspülten. Atemholen und Weitertauchen, Stunde für Stunde, Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat. Ich dachte  noch an eine pubertäre Phase, es würde schon vorbeigehen. Die Flut ging auch vorbei, kam aber wieder, ging vorbei und kam wieder, mal in kurzen, mal in langen Abständen, mal intensiv, mal weniger intensiv, jahrzehntelang  Die ersten Anzeichen waren nie zu übersehen, kamen manchmal schleichend,  manchmal überfallartig. Die Wellen kamen langsam auf mich zu, gingen wieder  zurück und kehrten, gestärkt mit größerer Intensität wieder zurück.
Ein Gefühl der Ohnmacht ob der drohenden Katastrophe machte sich breit, es war wieder so weit!  Mein Frühwarnsystem hat stets „Evakuierung“ angezeigt, ja aber wohin mit mir? Ich versuchte zu fliehen, fand jedoch kein geeignetes Rettungsboot und auch der höchste Baum war nutzlos. Das Wasser erreichte mich immer wieder. Ich fühlte mich über weite Strecken wie eine Gestrandete, knapp dem Ertrinkungstod entkommen. Der Kampf gegen die Wellen ist naturgemäß schon anstrengend genug, die Angst davor raubte mir zusätzlich Kraft.
Ich konnte mich nie retten, bis zum heutigen Tage, die Wellen behielten (behalten) die Oberhand, zu Hilfe, ich ersaufe erbärmlich!  Diese Phasen, die manchmal nur Tage, manchmal Wochen und Monate dauerten, nahmen mir jede Lebensfreude und Lebensmut.  Während der schlimmsten Flut, welche ein ganzes Jahr lang andauerte, tauchte immer wieder der Sensenmann auf, mein „Rettungsanker“. Er aber sah mich nicht. Die Flut war einfach zu hoch!   Die Flut war stärker als alle Liebe, sie kam und ging wie letzten Endes auch die Liebe.     Wenn mir das Wasser bis zum Hals steht gibt’s nur eines: Kopf hoch, damit ich nicht ersaufe. Dieser Kraftakt kostet mich mehr Energie als ich besitze, so als müsste ich jeden Tag den Ärmelkanal durchqueren. Abends ziehe ich den Schwimmanzug aus und  schließe die Augen. Ich warte auf den Schlaf, der, wenn er kommt, eine Erlösung ist, die mich für einige Stunden aus der Gefahrenzone bringt. Doch es kommt ein neuer Tag und dann heißt es wieder Auftauchen, Atemholen und  weitertauchen. Ich habe stets gegen die Flut angekämpft, wollte ihr ausweichen, wollte sie umleiten, wollte sie umschiffen, wollte sie negieren, wollte sie verdammen, wollte sie verleugnen, wollte sie vernichten, wollte sie wegreden, wollte sie wegdenken, wollte sie weglaufen, wollte sie verbrennen, vergebens -  die Flut findet immer den Weg zu mir.
Ein Naturelement kann man nicht besiegen, ich versuchte einen anderen Weg.  Nach all den Jahren akzeptiere ich die Flut als einen Teil von mir, der mich  immer wieder an den Rand der Verzweiflung bringt (aber eben nur an den Rand!) und deren Ende ich niemals absehen kann. Ich ergebe mich ihr, in der Hoffnung sie gnädig zu stimmen um wieder an Land zu kommen, irgendwann ………..….
EBBE!

16
Nov.
2008

Über Schriftsteller

“Ein Schriftsteller ist einer, der sich schwer tut beim Formulieren.”  
 Thomas Mann

15
Nov.
2008

She fawn is lie want!

Jim: My nay she sure dorn way!

Hias: Woe dean?

Jim: By dar fair sane.

Hias: Loss me shown. Host us far cared own. Dish null an cairn ouse an. Soda, yeats game us own. For ma mid’n say say lift oven idea o’ten he gale.

Jim: It row minute.

Hias: Gey hair do, ace is Nick star by.

Jim: Ace is o’bear so I sick.

Hias: Dive ale I knee! Gay hair dough! E for four, do forced hint air mere know, o’bear sheer nay bow girl.

Jim: Word Hias! E hope an stearn grease an.

Hias: Gay halt in Dick near! Fix Noah mole, days is was mid own fan gare. Nick’s we share O’Ryan. Shy’s drag.

27
Juli
2008

wissenschaftliche abschlussarbeiten

hier finden sie fertige abschlussarbeiten, master thesen, diplomarbeiten, dissertationen.

sie können bei schreiblust die zusammenfassung ihrer fertigen abschlussarbeit für interessentinnen der internet-community veröffentlichen.

25
Juni
2008

eindeutiges formulieren

theo überrascht heinz weil er so lieb ist!

ist dieser satz eindeutig formuliert? wer überrascht wen?
                                     
                              interkulturelles zentrum wien

23
Juni
2008

zitat von sören kierkegaard – träumen

träumend plant der geist seine eigene wirklichkeit.
sören kierkegaard

10
Juni
2008

wortgeschenke – schenken sie uns ihre lieblingswörter

im alltag begegnen wir wörtern die uns auffallen weil sie vielleicht selten oder gar neu sind. in der schnelle des alltags verblassen sie meist recht schnell. halten wir inne und entdecken wir gemeinsam den reichtum, die buntheit und die vielfalt unserer alltagssprache.

schenken sie uns ein wort, einen begriff oder eine wortschöpfung und teilen sie ihre alltagsfreuden unserer sprache mit uns!

1
Juni
2008

zitat von hugo von hofmannsthal an joseph chapiro

das schicksal des einzelnen ist völlig dunkel, geheim, insondable; die kategorien glück und unglück finden darauf keine anwendung. es liegen aber in der seele grenzenlose kräfte: dasselbe, das uns zerrüttet, kann uns tragen wie flügel.