Kurzgeschichten
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Kurzgeschichten schreiben: Wie geht das?
16. August 2010 | Von Nicolas Zimmermann
„Es wurde lauter - lauter - lauter! Und noch immer plauderten die Männer vergnügt und lächelten dazu. War es möglich, daß sie es nicht hörten?" … Ja? Da will jemand Kurzgeschichten schreiben wie Edgar Allen Poe.
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www.VindobonaVerlag.com Manuskripte sind im Verlag jederzeit gerne willkommen.
Kurzgeschichten sind der perfekte Einstieg für den, der Autor werden will. Der Grund liegt auf der Hand: sie sind kurz. Auf wenigen Seiten kann man mit den stilistischen und dramaturgischen Mitteln des Schreibhandwerks experimentieren.
Eben solche formalen Dinge des Schreibens muss man kennen. Kreativität ist eine viel gefeierte Eigenschaft des Menschen, aber von Kreativität allein entstehen keine griffigen Kurzgeschichten. Es gibt gewisse Techniken der Erzählform, die man verstehen und anwenden lernen muss.
Auf Kurzgeschichten treffen bestimmte Merkmale zu. Ein kurzer Text erzählt nicht gleich eine Kurzgeschichte, sondern erst einmal nur eine kurze Geschichte. Die Grenzen sind fließend. Wie sonst auch in der Literatur und den kreativen Künsten gibt es keine festen Baukastenregeln.
Entstanden aus den short stories, wurde die Kurzgeschichte nach dem Weltkrieg als eine Form der Kurzprosa anerkannt. Unter den Vertretern findet man berühmte Namen: allen voran Edgar Allen Poe (The Tell-Tale Heart), außerdem Scott F. Fitzgerald (The Curious Case of Benjamin Button), Ernest Hemingway (The Nick Adams Stories), weiter Heinrich Böll (An der Brücke) und Ilse Aichinger (Das Fenster-Theater).
Merkmale:
- 500 bis 5.000 Wörter
- kurzer Einstieg, Höhe- oder Wendepunkt gegen Ende, offener Schluss
- pointiert
- wenige Hauptcharaktere, zentriert auf einen Einschnitt ins Leben, Darstellung von Alltagsmenschen
- ein Handlungsstrang
- Einsatz von Metaphern und Symbolen
- Einheit von Ort und Zeit, flüchtige Beschreibung der äußeren Begebenheiten, Konzentration aufs Wesentliche
Innerhalb obiger Vorgabe wird der beschriebene Zeitraum der Handlung unkomprimiert erzählt, an einem Stück.
Kurzgeschichten: So wird's gemacht!
Lesen, lesen, lesen
Im Literaturkanon sind sämtlich nur erdenkliche Spielarten durchprobiert, Schicksalsschläge reverberiert, philosophische Themen durchexerziert. Lesen Sie nach, wie es andere gemacht haben.
Finden Sie die Merkmale wieder.
Schauen Sie, wie andere Autoren die Mittel einsetzen, ihre Geschichten konstruieren und bestimmte Effekte in ihren Lesern erzielen.
Üben, üben, üben
Empfinden und stellen Sie das Beobachtete in Ihren eigenen Gehversuchen nach. Halten Sie sich für die Entwicklung einer Kurzgeschichte dafür an unsere Leitfragen.
Leitfragen
Worüber schreiben?
Sammeln Sie Ideen, zum Beispiel in einer Mindmap. Notizen!
In welcher Welt findet meine Geschichte statt? Moralvorstellungen? Weltbilder?
Was soll meine Kernaussage sein?
Tonalität
Welche Stimmung möchte ich transportieren? Nach Poes Prinzip der “unity of effect” sollte man sich auf eine Stimmung, eine Emotion konzentrieren. Stimmungswechsel müssen über einen größeren Raum hinweg vorbereitet werden.
Welchen Eindruck soll mein Ausdruck hinterlassen?
Erzählperspektive und Mittel
Welche Perspektive soll ich wählen? Der allwissende Erzähler könnte für eine Kurzgeschichte zu distanziert sein. Über den personalen Erzähler oder den Ich-Erzähler können Sie Gedanken der Figur schildern. Der Reiz liegt oft in der Aufdeckung implizierter Gedanken. Lassen Sie sich von Perspektiven nicht einschränken. Sie können die Perspektiven vermischen, unscharf lassen, abwechseln.
Durch welche Mittel erreiche ich den gewünschten Ausdruck, welche Effekte möchte ich beim Leser erzielen?
Struktur und Dramaturgie
Wie möchte ich die Geschichte aufbauen? Die gewöhnliche Disposition einer Kurzgeschichte sieht so aus: kurze Einleitung - Vorstellung des Problems und Spannungsaufbau, Konfliktverhärtung - Erklärung eines zentralen Moments - Lösung, vorläufige Antwort, Schluss.
Wie möchte ich den Spannungsbogen gestalten?
Charaktere und Eigenschaften Charaktere sollten schnell erklärt werden und wenige besondere Eigenschaften haben. Welche? Halten Sie sich auch dabei an Poes Prinzip.
Raum und Zeit
Wo und wann? Aus besonderen Umgebungen können Sie viel Atmosphäre ziehen. Sie können die Tonalität Ihrer Geschichte manifestieren. Aber machen Sie’s kurz.
Tipps und Hinweise
Gerade wie implizite Botschaften wirken und ob die vorbereiteten Botschaften ankommen, ist schwer zu sagen. Durch das Nichtsagen etwas auszusagen, gehört zu den schwierigsten Dingen des Schreibens. Geben Sie Ihre Texte anderen zu lesen.
Show, don’t tell! Erzählen Sie nicht so viel, bringen Sie Ihre Figuren zur Handlung. Zeigen Sie die Gefühle der Figuren, erregen Sie Gefühle im Zuschauer durch die Beschreibung der Figuren und ihrer Handlungen.
Besuchen Sie Schreibwerkstätten und Schreibvereine.
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